Sabbat und Sonntag

Eine Kirche, die durchdekliniert, dass Zeit als geschenkte Gabe Gottes zu begreifen ist, dass die Kultur der Unterbrechung ein dieser Gabe ebenso wesensmäßiger Inhalt ist wie die Hervorhebung der grundsätzlichen Unverfügbarkeit der Zeit auch in ihren sozialen Implikationen, dass uns Zeit aus sabbattheologischer Perspektive gegeben ist, um sie in Formen sozialer Nachhaltigkeit erlebbar zu machen, eine solche Kirche wird sich nicht länger in ihren zeitpolitischen Bemühungen nur für die Bewahrung des arbeitsfreien Sonntags einsetzen können, sondern sich umfänglich in den politischen Diskurs über die „Zeiten der Gesellschaft“ einzubringen haben. Die immer wieder aufkommenden Diskussionen über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, über das Massenphänomen der Arbeitslosigkeit und damit der Entwertung von Lebenszeit, über die immer enger werdenden Zeitmodule für die Zuwendung in den „Zeiten der Pflege“ oder über die belasteten „Zeiten der Familie“ - das sind nur einige Beispiele dafür, dass es an Gestaltungsfeldern für diesen (kirchen)politischen Diskurs, für eine kirchliche Zeitpolitik, nicht mangelt. Es wäre „an der Zeit“, dass sich Kirche und Diakonie diese Gestaltungsfelder auch aus der Perspektive eines Zeitverständnisses zu Eigen machen, das sich vom gedenken an den Sabbat und damit auch von der Praxis des Juden aus Nazareth leiten lässt.